IBKA-Tagung 2008 in München
Religionskritik

Grundrechte im Schatten der Götter
10.-12. Oktober 2008 im Oberangertheater
Freitag, 10. Oktober 2008
Anreise ab 17 Uhr, Abendessen 18.45 Uhr
18.00 Uhr Pressekonferenz von bfg München und IBKA
Kleine Ausstellung gotteslästerlicher Karikaturen im Foyer des Oberangertheaters während der gesamten Tagungsdauer.
20-22 Uhr Preisverleihung „Der freche Mario” – Blasphemie-Preis des bfg München
Willkommensgruß durch die Betreiber des Oberangertheaters, Dietmar Holzapfel und Sepp Sattler
Geschichte des Preises/Begründung: Wolf Steinberger (Vorsitzender bfg München und Stifter des Preises)
Laudatio für den/die Preisträger: Dr. Michael Schmidt-Salomon (GBS; angefragt)
Preisübergabe (je nach Objekt Vorführung, Power-Point-Präsentation)
Dankesrede des/der Preisträger
Eintritt 18 €, Mitglieder der unterstützenden Organisationen bfg München, IBKA, GBS sowie sonstig ermäßigt: 12 €. Es ist ratsam, Karten vorzubestellen: bfg München, Valleystraße 27, 81371 München, info@bfg-muenchen.de
22 Uhr „Heidenspaß-Party“ oder geselliges Beisammensein – Open End
Samstag, 11. Oktober 2008
19.30 Uhr Preisverleihung „Gache Wurzn“ für Mut und Zivilcourage (bfg München)
Willkommensgruß durch die Betreiber des Oberangertheaters, Dietmar Holzapfel und Sepp Sattler, und durch Schirmherrn.
Laudatio durch Wolfram P. Kastner (Institut für Kunst und Forschung/bfg München) (angefragt)
Preisübergabe
Dankesrede/Vortrag/Vorführung des/der Preisträger
20.30-23.00 Uhr Verleihung des IBKA-Preises „Sapio” 2008 an die Kabarettisten Shabana Rehman und Sigi Zimmerschied
Preisverleihungsbegründung durch Arzu Toker (IBKA)
Laudatio für Shabana Rehman: Arzu Toker
Laudatio für Sigi Zimmerschied: Gerhard Haderer (österr. Karikaturist)
Preisübergabe
Vortrag/Rede/Vorführung der beiden Preisträger
Dankworte der IBKA-Vorsitzenden
musikalisches Rahmenprogramm
anschließend geselliges Beisammensein – Open End
Sonntag, 12. Oktober 2008
9.00 Uhr bis 13.00 Uhr: Offene Tagung
9.00 Uhr Dr. Roland Seim: Vortrag „Kruzifix! Blasphemie in der Popkultur“
9.45 Uhr Gunnar Schedel: Vortrag „Religionskritik gestern und heute“
(10.30 Uhr Nachfragen zu den Vorträgen)
(11.00 Uhr Kaffeepause)
11.30 Uhr Podiums-Diskussion „Grundrechte im Schatten der Götter“
Wolfram P. Kastner, Dietmar Holzapfel, Julian Maguhn, Rudolf Klaffenböck (angefragt) und bfg-Rechtsanwälte (angefragt)
Lebhaft diskutiert werden soll u.a.
- über juristische Folgen und Risiken für Menschen, die ihre Grundrechte auch im Schatten der Götter bzw. Päpste oder anderer Funktionsträger etc. wahrnehmen,
- über Möglichkeiten des phantasievollen Protestes gerade auch mit kirchen- und religionskritischen Ansätzen, über dessen Auswirkungen auf die Öffentlichkeit,
- über Auswirkungen auf die Akteure selber.
13.00 Uhr Mittagessen, Ende der Tagung
Religionskritik

Grundrechte im Schatten der Götter
Selbst wenn ein aufgehetzter Mob wegen ein paar Karikaturen, welche die Beteiligten gar nicht betrachten konnten, Botschaftsgebäude niederbrennt, dann scheint solch Furor doch weit weg.
Auch der Kirchenaustritt hat hierzulande nicht die Ermordung zur Folge.
Neuerdings gibt es zudem eine mediale Debatte um die „Neuen Atheisten” an der sogar gelegentlich auch ausgewiesene Nichtreligiöse beteiligt werden.
Leben wir also in Mitteleuropa in einer Region, wo Religionskritik sich ungehindert entfalten kann?
Bereits das bundesdeutsche Strafgesetzbuch bildet die Grundlage für eine weitreichende Einschränkung der Meinungsfreiheit durch den Spezialparagraphen 166. Dieser sieht nicht etwa für jene, die Gewalttaten ihrer Anhänger gegen Religionskritiker nicht ausreichend entgegentreten, eine Bestrafung vor, sondern prophylaktisch für die Religionskritiker, deren Äußerungen bereits auch nur irgendwie geeignet scheinen, den Furor der Fanatiker ausreichend provozieren zu können. Die Existenz von Morddrohungen gegen Religionskritiker reicht aus, deren religionskritisches Werk zu verbieten. Faktisch ist damit das Faustrecht der Fanatiker legitimiert.
Der 166er wirkte auch noch nie in die Richtung, aufhetzende Bemerkungen von Religionsvertretern zu sanktionieren. Schon die schiere Existenz dieser Strafrechtsbestimmung entfaltet gelegentlich eine Wirkung als „Schere im Kopf” bei Verlegern und Autoren.
Nachdem sowohl der Versuch, das Ferkelbuch strafrechtlich zu ahnden, als auch es indizieren zu lassen, gescheitert waren, begann ein untergesetzlicher Tugenddiskurs „so was macht man nicht!” und „Religion verdiene Respekt!”
Die 7451ste Widerlegung von Gottesbeweisen auf 1000 Seiten ist im Zeitalter elektronischer Massenmedien und flüchtiger Aufmerksamkeitsspannen zumindest hierzulande nicht mehr der Stein des Anstoßes.
Bedroht fühlen sich manche Religiöse hingegen von Kritik, welche den Absurditäten von ideologischen Systemen mit Humor, Sarkasmus, Satire, Karikatur und Kabarett begegnet und als Teil der Alltagskultur auftritt.
Nirgends ist die Fallhöhe evidenter, als dort, wo es betont feierlich, rituell starr und dogmatisch zugeht und die religiöse Identität den angstbesetzten Zweifel bestenfalls als Läuterungsprozess mit pflichtgemäß konformistischem Ausgang instrumentalisierend erlaubt.
Mit der Tagung wollen wir zeigen, wie irrationale Systeme sich gegen Kritik immunisieren und dazu sich auch der Staatsgewalt grundrechtsfeindlich bedienen; wie die subversive Kraft des Humors wirkt und wie sich daraus auch ein Umgang mit Religion ergibt, der sowohl in der Sache fundiert ist, als in der künstlerischen Form den Charme der Leichtigkeit hat.
Veranstaltungsort
Oberangertheater
Oberanger 38
80331 München
Telefon: 089 / 23 11 66 0
Telefax: 089 / 260 107 85
Email: info@oberanger-theater.de
www.oberanger-theater.de
