Shohreh Ashrafi

Shohreh Ashrafi

Beisitzerin

Ich bin im Iran geboren und habe als muslimisches Mädchen den iranischen Fundamentalismus und seine Auswirkungen unmittelbar erlebt. Genau deshalb entwickelte ich eine kritische Haltung gegenüber Religion.

In Deutschland, meiner neuen Heimat, musste ich dann feststellen, dass Religion zwar kritisch betrachtet wird, aber immer noch eng mit dem Staat verflochten ist, und dass die Kirchen Vieles mitbestimmen. Sehr überrascht hat mich auch, wie unkritisch man in den letzten Jahrzehnten hier gegenüber dem Islamismus war und immer noch ist. Kritik an Religion wird fast nur noch als „Diversitäts-feindlich" oder gar „rassistisch" gebrandmarkt – eine Strategie muslimischer Fundamentalist:innen, die leider großen Erfolg hatte.

Auch in säkularen und humanistischen Kreisen wurden in den letzten Jahren Diskussionskultur, kritisches Denken und Zwischentöne zunehmend von moralischer Empörung, Schwarz-Weiß- Denken und identitären Gruppenvorstellungen verdrängt. Dennoch ließ ich mich nicht entmutigen, denn auf meinem politischen Weg begegnete ich vor allem Menschen, die meine Sicht teilen und die Notwendigkeit von Zusammenarbeit erkennen. So gründete ich im März 2024 gemeinsam mit anderen die gbs-Regionalgruppe Rhein-Main. Darüber kam ich in engeren Kontakt mit IBKA-Mitgliedern und engagiere mich seit diesem Jahr nun auch hier.

Der Austausch zwischen säkularen Menschen und Gruppen ist mir enorm wichtig. Denn unsere offene Gesellschaft ist unter massiven Druck geraten. Ich möchte mich daher gemeinsam mit meinen Mitstreiter:innen für kritisches Denken, einen säkularen Staat, für Meinungsfreiheit und eine offene und respektvolle Kommunikation und nicht zuletzt für den Feminismus einsetzen. Denn Religionskritik ist untrennbar mit dem Einsatz für Frauenrechte verbunden, die nicht nur im Iran, sondern auch in Deutschland hart gegen religiöse sexistische Normen erkämpft werden mussten.

Ich freue mich auf förderliche Diskussionen und die gemeinsame politische Arbeit.